Hintergründe


Wie ist das Netzwerk Trauer entstanden?

 

Im kath. Dekanat Lahr wurde die „Trauerarbeit" als Schwerpunktthema für die kommenden Jahre erkannt. Der ökumenische Dialog hierüber wurde in Lahr aufgenommen. Seit 1999 trifft sich eine lose Gruppe von Menschen, die aus verschiedenen Tätigkeitsfeldern die Themen „Sterben – Tod – Trauer" beleuchten.

 

 

 

Zielsetzung ist, durch Vernetzung verschiedener Initiativen und Einrichtungen (gemeindliche und freiberufliche Trauerbegleitung, ökumenische Klinikseelsorge, Hospizverein, Selbsthilfegruppen und Bestatter) zur Verbesserung einer zeitgemäßen Trauerkultur beizutragen.

 

Andreas Wilhelm, Dekanatsreferent, Martin Abler, Klinikseelsorger am Klinikum Lahr, Marion Bauer, freiberufliche Trauerbegleiterin, Rosi Kienzler, ehrenamtliche Hospizhelferin im Hospizverein Lahr und Rose König von der Trauerbegleitungsgruppe Friesenheim kamen zu regelmäßigen Treffen zusammen. Am Anfang stand der Informations- und Erfahrungsaustausch aller Beteiligten. Daraus entstanden persönliche Kontakte zu Friedhofsverwaltung, Bestattern, Selbsthilfegruppen usw. In regelmäßigen Treffen wurden weitere Kontakte geknüpft, Exkursionen gestartet, und Projekte erarbeitet. Hieraus entstand das Netzwerk Trauer.

 

Im Rahmen der Projektarbeit „Die Würde ist gewichtslos" – Gedenkstein für fehlgeborene Kinder unter 500 g - wurde das Netzwerk Trauer bereichert durch die Mitarbeit von Anke Niederhagemann von der gynäkologische Station des Klinikums Lahr, Ulrike Grass von der Selbsthilfegruppe Sternschnuppe, Herbert Schneider von der Friedhofsverwaltung Lahr und Ralph Rottenecker vom Bestattungshaus Bolz, Lahr.

 

Das Netzwerk Trauer stellte sich in Lahrer Altenpflegeheimen vor und führte Gespräche in bezug auf die Gestaltung von Abschiedsräumen. Im Herzzentrum Lahr, wo sich die Gruppe zu den Arbeitssitzungen trifft, wurde mit Hilfe des Netzwerkes ein würdiger Abschiedsraum neu geschaffen.

 

Die Umsetzung des Projekts „Die Würde ist gewichtslos" – Gedenkstein für fehlgeborene Kinder unter 500 g ist das Ergebnis einer 2-jährigen intensiven Auseinandersetzung mit diesem Thema.

 

Aus der Erfahrung in der Betreuung mit betroffenen Eltern fehlgeborener Kinder heraus entstand die Idee, einen Ort der Trauer für die Eltern zu schaffen. Viele Menschen unterstützten das Projekt ideell, praktisch und finanziell. Der Künstler Dietmar Herold bearbeitete ein vorhandenes Sandsteinfragment der Fa. Nuvolin, Lahr. Ein Freiburger Kunstschmied schuf 5 Aluminium-Stehlen, in die 5 gefüllte mundgeblasene Kugeln eines Glasbläsers aus Zwiesel eingelassen wurden. Sie enthalten die Symbole Wasser, Korn, Salz, Erde und einem gelben Kunststoff als Lichtsymbol. Das Wasser steht für das Fruchtwasser, in dem alles Leben beginnt. Das Korn für die Frucht des Leibes für die fehlgeborenen Kinder. Das Salz macht die geweinten Tränen der Eltern sichtbar. Die Erde zeigt die Einbettung der Föten in den Schoß der Mutter Erde und das Licht steht als Symbol der Hoffnung.

 

Zweimal im Jahr – Freitag vor Muttertag im Klinikum Lahr und am 2. Sonntag im Dezember in Seelbach – findet ein Gedenkgottesdienst für verstorbene Kinder statt.

 

Informationsaustausch und mutmachende Unterstützung erhielt Rose König in bezug auf die Schaffung des Lebenscafes in Friesenheim.

 

Nach nunmehr vier Jahren intensiver Zusammenarbeit möchte das Netzwerk Trauer weiterhin zusammen wirken. Das Thema Suizid wird Ende des Jahres eine weitere Möglichkeit sein, sich einzubringen.

 

Alle Beteiligten des Netzwerk Trauer sehen das Symbol des Netzes als Bild für das Netz der Beziehungen. Viele haben sich eingeknüpft, immer neue Fäden werden angeknüpft. Dieses Netz trägt uns, hält uns, fängt uns auf. Wir sind miteinander verbunden. Allein sind wir nur ein Faden. Zusammen sind wir ein Netz.

 

Rosi Kienzler

April 2003